Für die Arbeit mit dem ironischen Titel „Der kleine Künstler“ hat der koreanische Aktionskünstler Byung-Chul Kim über zwei Jahre hinweg Ideen gesammelt und Storyboards gezeichnet. Anschließend wurden die Aktionen in kurzer Zeit als Videos realisiert, etwa das Video „Dance with me“ von seiner „Kurzerzählungen“ . Fotos aus Illustrierten werden darin auf eine Lautsprecherbox montiert, aus der Technomusik ertönt. Dank des Luftdrucks schwingt der Papst plötzlich sein Kreuz, während Kim Jong-il synchron seinen nordkoreanischen Untertanen winkt oder Madonna sich aufreizend auf den Hintern klopft – ein frecher Kommentar auf unsere Mediengesellschaft, die Bilder aller Art nivelliert und unterschiedslos nebeneinander stellt. „Meine Lebenseinstellung als Künstler“ hingegen zeigt Byung-Chul Kim mit einer Radioantenne auf dem Kopf – ganz dem Klischee des Künstlers entsprechend, der reglos auf die richtige Eingebung wartet. In „Revolution“ wird ein Betonboden aufgeschlagen aus dem nach einiger Zeit poetisch Pflanzen zu wachsen beginnen. Und in „Wau Wau“ schließlich liest der Künstler gemeinsam mit einem Hund den „Spiegel“, der vom gemeinsamen Heulen des tierischen und menschlichen Lesers absurd kommentiert wird. Alle künstlerischen Interventionen Byung-Chul Kims leben von ihrer subtilen Provokation und ihrem feinen Humor. Erst bei genauerem Hinsehen werden hinter der spielerisch-frechen Fassade die existenziellen Fragestellungen zum Verhältnis von Mensch und Natur oder Kunst und Gesellschaft wahrnehmbar, die der Künstler mit großer Leichtigkeit zu thematisieren versteht. Winfried Stürzl. 2009